Samstag, 3. Dezember 2005, 20 Uhr

Die Kommandeuse
Psychogramm einer Nazi-Täterin

von und mit Gilla Cremer

"Man muß verstehen, mit seiner Zeit zu gehen" - so begründet die junge Ilse Köhler 1932 ihren Eintritt in die NSDAP. Sie begegnet dem Obersturmbannführer Karl Koch und zieht im Jahre 1937 als seine Frau mit ihm auf den Ettersberg, einen wunderschönen Hügel bei Weimar, auf dem Goethe einst "Wanderers Nachtlied" dichtete. Hier wird Koch Kommandant des Konzentrations-lagers Buchenwald. Von den Jahren in der "Villa Koch", die unmittelbar an das Konzentrationslager Buchenwald grenzte, sagt Ilse Koch später, daß sie "die beste Zeit" ihres Lebens waren, eine satte, eine gute Zeit, gezeichnet von einem luxuriösen und ausschweifenden Lebensstil.

1951 wurde die "Kommandeuse" - so nannten sie die Häftlinge aufgrund ihres grausamen und unberechenbaren Auftretens im Lager - wegen Anstiftung zu Körperverletzung und Mord zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt. Ilse Koch füllte im Nachkriegsdeutschland als "Hexe von Buchenwald" die Schlagzeilen und behauptete selbst noch nach 22 Jahren Haft : "Ich kann mich an nichts erinnern. Ich habe mich nie um Lagerangelegenheiten oder Politik gekümmert. Ich war immer bemüht, meinem Mann und meinen Kindern eine gute Familienmutter zu sein".

 

Gilla Cremer - Schauspielerin, Autorin, Produzentin

Nach dem Abitur studierte Gilla Cremer von 1977-1980 in Austin/Texas, in New York und auf Bali Modern Dance, Maskentanz, Kung-Fu und Masken-Schnitzerei. Ihre ersten Theatererfahrungen sammelte sie an der "Internationalen Schule für Theateranthropologie - ISTA" in Bonn, Volterra, Bologna und Holstebro unter der Leitung von Eugenio Barba/Odin Teatret. 1981 war sie Gründungsmitglied der Freien Gruppe "Theater Tilbut" in Frankfurt und nahm Schauspielunterricht bei Günther Einbrodt (Tabori Gruppe), Ingemar Lind, Werner Schroeter, Augusto Fernandez u.a.

Seit 1987 arbeitet sie hauptsächlich als Solistin und geht mit ihren "Theater Unikaten" - zur Zeit sind es sieben Produktionen - im In- und Ausland auf Gastspielreisen. 1999 spielt sie in der Produktion KOHELET unter der Regie von David Mayaan und seiner Gruppe Akko/Israel in Weimar und auf den Wiener Festwochen. Von 2001 bis 2003 gastiert sie am Thalia Theater Hamburg in "Damen der Gesellschaft". Zu ihren selbstverfassten Monologen gehört die "Trilogie des "Ver-Sprechens": "Die Kommandeuse" (Teil I), "Morrison Hotel" (Teil II) und "m.e.d.e.a." (Teil III). Fast alle Produktionen wurden gefördert von der Kulturbehörde der Freien und Hansestadt Hamburg und wurden in Hamburg entweder auf Kampnagel, in den Hamburger Kammerspielen oder in der Studiobühne des Thalia Theaters herausgebracht.