Samstag, den 4. 9. 2004, 20 Uhr

Dietmar Mues, Dieter GlawischnigDietmar Mues liest Heinrich Mann,
musikalisch begleitet von Dieter Glawischnig


HEINRICH MANN

Drei Geschichten.

Ein Kosmos.

Deutschland.

Sinnlich.

Grotesk.

Vor allem aber spießig und burlesk.

Es ist ein Glücksfall, daß nicht alle testamentarischen Verfügungen aller Väter auch Erfüllung finden: „Den Vormündern mache ich die Einwirkung auf eine praktische Erziehung meiner Kinder zur Pflicht. Soweit sie es können, ist den Neigungen meines ältesten Sohnes (Heinrich) zu einer sogenannten literarischen Tätigkeit entgegenzutreten. Zu gründlicher, erfolgreicher Tätigkeit in dieser Richtung fehlen ihm m. E. die Vorbedingnisse, genügendes Studium und umfassende Kenntnisse. “
Die zum Segen der Literaturgeschichte mißachtete Verfügung aus dem Jahre 1891 hätte uns einen der genauesten Beobachter des Zusammenhangs zwischen autoritärem Charakter und Obrigkeitsstaat vorenthalten.
Denn dies ist die große Spezialität Heinrich Manns: Er beschreibt (jedenfalls seit seinem 40. Lebensjahr, seit er sich als politischen Schriftsteller sieht) die privaten Lächerlichkeiten seiner Protagonisten – ihre sexuellen Neurosen, ihren Pathos für Kaiser und Vaterland, ihre kleinlichen Kämpfe um materielle Vorteile – im Zusammenhang mit dem Größenwahn des deutschen Staates.
Das Lächerliche ist zugleich das Gefährliche.
Wenn Dietmar Mues liest – er liest drei recht unbekannte Geschichten, die Heinrich Mann als Charakterstudien für seine großen Romane dienten - spiegelt sich diese Konstellation im Publikum. Man möchte prustend lachen, aber irgendwie beschleicht einen auch ein Gefühl der Unheimlichkeit. Dieter Glawischnig versch ärft diesen Zwiespalt am Piano.

Thomas EbermannEinen kleinen Einblick in die politischen Ansichten Heinrich Manns, seinem Wirken in der Weimarer Republik, im französischen und später amerikanischen Exil, gibt Thomas Ebermann.